Physiologie statt Pathologie ist das praktische Postulat meiner Methode. Das bedeutet, dass es in der Therapieform der Integralen Evolution zunächst einmal darum gehen muss den eigenen Körper zu verstehen und ihm das zu geben was er braucht um seine Entwicklung abzuschließen.

Radikale Selbstverantwortung

Der erste Schritt auf dem Weg zur Integralen Evolution ist die Bereitschaft zur radikalen Verantwortung für das eigene Leben. Das heißt auch, dass man sich nicht zum Opfer der Umstände macht, in die man hinein geboren ist oder in die man sich selber hinein gebracht hat. So können selbst Umstände, in welche man hinein geboren wurde oder die einem zum Opfer machten als Lernaufgaben betrachtet werden.

In dieser Weltsicht hat auch das Konzept von Pathologie keinen Platz mehr. Man muss einfach anerkennen, dass ungewollte Symptome auf körperlicher und psychischer Ebene weder Zufall noch Schicksal sind, sondern der Ausdruck eines Systems, das einem etwas erzählen möchte.

Dazu gehört die unbedingte Bereitschaft seinem Leben ehrlich ins Gesicht zu schauen. Wenn etwas im Leben nicht so läuft wie man es sich vorstellt, stimmt häufig die Geschichte, die man sich über sein eigenes Leben erzählt nicht mit der Wahrheit überein.

Integrale Evolution heißt, dass man auf allen Ebenen bereit ist sein eigenes bisheriges Leben aufzuarbeiten. Darauf folgend sind häufig Veränderungen der Lebensführung, in der Ernährung und auch innerhalb der menschlichen und sozialen Beziehungen nötig. Vielleicht muss man auch seine Arbeitssituation verändern.

Kein Quickfix

Integrale Evolution ist kein schneller oder magischer, aber ein aus meiner Sicht sehr lohnender Weg. Integrale Evolution ist nicht selten schmerzhaft. Und vor allem ist Integrale Evolution etwas, was man ganz alleine machen muss. Während ein kluger Mensch in vielen Angelegenheiten lernt zu delegieren, ist dies bei der eigenen Entwicklung nicht möglich, ein Widerspruch in sich sogar. Für die Integrale Evolution des Einzelnen kann ein Therapeut nur den Raum halten, nicht mehr.

Therapie statt Behandlung

Machen Sie sich den Unterschied zwischen Therapie und passiver Behandlung klar. In der Therapie hält der Therapeut den Raum, damit Sie sich aktiv durch Ihre Themen arbeiten können. In der passiven Behandlung bekommen Sie etwas von dem Therapeuten (eine Massage, eine Entlastungsmaßnahme, Energiearbeit, etc.). Dies kann durchaus hilfreich und vor allem wohltuend sein, macht aber Ihre aktive therapeutische Arbeit nicht entbehrlich.

Im Übrigen ist das Gespräch beim Behandler, der im Sinne der Integralen Evolution therapiert, vorwiegend eine Beratung. Eine Therapie im obigen Sinne findet z.B. nur während traumatherapeutischen Sitzungen statt. Im Grunde findet der Großteil der Therapie zwischen den Terminen außerhalb der Praxis statt, indem Sie sich im Alltag Ihren Themen stellen und die Schritte gehen, die Sie gehen müssen um zu reifen und um in die Selbstregulation zu kommen. Jede Therapieform, die einen wirklich bei der Reifung und Geburt des wahren Selbst begleiten möchte, kann nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Echte Macht ist die, die man über sich selber hat

Die Erkenntnisse der Epigenetik zeigen, dass unsere Gene unser Schicksal nicht bestimmen. Wir sind, was wir aus uns machen. Im Übrigen sind Zellen zunächst einmal dazu in der Lage auch ohne Zellkern und dem DNA (Gene) zu überleben. Sie verlieren allerdings ihre Fortpflanzungsfähigkeit und damit ihre Reparaturfähigkeit. “Der Zellkern entspricht also nicht dem Gehirn, sondern den Keimdrüsen”.1Lipton, Intelligente Zellen, 2006, S. 67 Denkt man in Übereinstimmung mit den Hierarchien der Regelsysteme in Analogien, muss es also eine höherrangige Instanz geben, die den Zellen vorgeben kann was sie zu tun haben. Man kann sich also fragen, was dem Nervensystem der Zelle entspricht. Zumindest sind dies Möglichkeiten, die sich eröffnen, wenn man sich klar macht wie groß unsere Macht über die Aktivierung und Deaktivierung von Genen wirklich ist.

Man könnte sogar soweit gehen zu behaupten, dass der Zustand eines Körpers seinem Unterbewusstsein entspricht, wie die Neurowissenschaftlerin Candace Pert postulierte.2siehe ihren Vortrag Your Body Is Your Subconscious Mind

Gesundheit ist ein positiver Nebeneffekt von Entwicklung

Insofern ist ein Entwicklungsweg aus meiner Sicht im Grunde automatisch und nebenbei auch ein Weg zur Gesundheit. Entwicklung und Gesundheit sind nur möglich, wenn man die Regeln der Natur nicht nur versteht, sondern auch beachtet.

Realistische Wege für ein besseres Leben

Die Sehnsucht nach und Hoffnung auf ein besseres Leben kann an dieser Stelle eine katalysierende Rolle spielen. Unser individuelles und kollektives Unterbewusstsein enthält auch Anteile die offenbaren wonach wir alle streben: ein erfüllendes Leben, die Umsetzung von persönlichen Zielen, ein gutes soziales Umfeld und oft die wahre, eine Liebe. Dargestellt werden diese Hoffnungen und Sehnsüchte in Bezug auf das menschliche Potential in Mythen, Sagen, Erzählungen, Büchern und Filmen. Dort jedoch häufig klischeehaft, stereotypisch oder verklärt.

Inhalt meines Lebens war und ist die Suche nach realistischen Mitteln und Wegen menschlichem Potential eine Chance zu geben. Entdeckt habe ich, dass vor Individuation und Persönlichkeitsentwicklung ein vorbereitender Weg gegangen werden muss. Es ist dabei meine Überzeugung, dass die grundlegende Fähigkeit zur Selbstregulation die unterste Stufe dieses Weges darstellt, der eigentlich ca. um das 21. Lebensjahr abgeschlossen sein sollte. Da aber die meisten Menschen aufgrund von zahlreichen Faktoren, insbesondere ihrer epigenetischen Stress- und Traumaprogrammierung, nicht mit 21 Jahren dazu in der Lage waren sich selber zu regulieren, braucht es ein System dies nachzuholen.

Körper, Geist und Seele müssen erst zur Einheit werden

An dieser Stelle übersehen meiner Meinung nach andere ganzheitliche naturheilkundliche Methoden, dass der Körper erst zu einer Einheit aus Körper, Geist und Seele werden muss.

Das gute an physiologischen Prozessen und der Annahme, dass der Mensch nach einer “Blaupause” funktioniert ist allerdings, dass es nie zu spät ist Verpasstes nachzuholen und so in die Selbstregulation zu kommen!

Voraussetzung ist natürlich, dass man organisch dazu in der Lage ist. Fehlen einem Organe oder sind wichtige Gewebe beeinträchtigt, ist natürlich das ursprüngliche Gleichgewicht der Natur möglicherweise so weit gestört, dass man eventuell auf äußere Hilfsmittel angewiesen ist.

Praktische Konsequenzen für eine Therapie nach physiologischen Gesichtspunkten

Im Folgenden werden die praktischen Voraussetzungen einer Therapie zwecks Integraler Evolution vorgestellt.

Organisches Energiesystem

Ohne Energie gibt es kein Wachstum und keine Reparatur. Ohne Nährstoffe gibt es keine Energie. Daher muss gleich am Anfang der Therapie die Nährstoffsituation überprüft werden und korrigiert werden. Dazu gehört eine Umstellung der Ernährung sowie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Epigenetik

Laut Ansicht dieser Methode können einige Nährstoffmängel auch epigenetisch weiter vererbt werden. Somit macht es Sinn gleich am Anfang der Therapie diesbezügliche Tests durchzuführen um etwaigen Nährstoffdefiziten adäquat begegnen zu können.

Arzneikrankheit

Da auch vergangene Medikamenteneinnahmen, Hormone, Drogen und Umwelttoxine aus Sicht dieser Methode ihre Spuren im Körper hinterlassen, wird diesem Thema in Form von Ausleitungstherapien begegnet.

Nervensystem

Der Abbau von frühkindlichen Reflexen sorgt dafür, dass das Nervensystem ausreifen kann. Dies erfolgt in Form von körperlichen Übungsprogrammen und anderen körperlichen Hilfsmaßnahmen.

Psyche

Die Entwicklung der Psyche erfolgt vor allem durch die Bewältigung von Traumata, insbesondere der Symbiose- oder Bindungsstörung. Dafür ist es notwendig, dass der Patient dazu in der Lage ist mit seinen gesunden Anteilen zu agieren, anstatt nur seine Abwehrmuster auszuagieren um seine abgespaltenen Anteile zu schützen.3siehe dazu Ruppert, Symbiose und Autonomie, 2017, S.78

Dies bedeutet konkret, dass Patienten, die für eine Therapie der Integralen Evolution in Frage kommen, bereits ein Stück weit in ihrer psychologischen Autonomie angekommen sein müssen.

Sie müssen dazu in der Lage sein mit aufkommenden Gefühlen entweder alleine oder im Rahmen einer Traumatherapie konstruktiv umzugehen. Dies gilt auch für etwaige Somatisierungen. Asthma- und Migräneattacken unter anderem, sind an dieser Stelle Ausdruck eines Systems, was bislang nur gelernt hat sich über körperliche Schmerzen zu äußern, weil der eigentliche emotionale Ausdruck bislang unterdrückt worden ist.

Ich stimme an dieser Stelle leider mit dem Psychologen Bessel van der Kalk überein, der sagt, dass viele Menschen eine unbewusste Wahl getroffen haben dass es besser ist weiterhin Ärzte zu besuchen und Symptome zu behandeln als die schmerzhafte Arbeit in Angriff zu nehmen sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen.4Kolk, Bessel van der. The Body Keeps the Score: Mind, Brain and Body in the Transformation of Trauma, Kindle-Positionen1755

Denn unterdrückte Gefühle werden sich fast zwangsläufig melden. Am Anfang der Therapie sind diese Gefühle in der Regel von dem Patienten negativ bewertet, weil es sich um Ängste und Unsicherheiten handelt. Ich stehe für diese Gefühle weder als tröstende Ersatzbindungsfigur noch als Seelsorger zur Verfügung. Das klingt vielleicht hartherzig, ist aber für Ihre Entwicklung notwendig. Mitgefühl an dieser Stelle heißt den Patienten ernst zu nehmen und ihn dabei zu begleiten sich selber ernst zu nehmen ohne dass der Patient dabei die Verantwortung für seine Gefühle beim Therapeuten abladen kann. Wirklich heilend ist an dieser Stelle letztendlich das Mitgefühl für sich selbst.

Die Therapie nach Integraler Evolution ist komplex und die notwendigen Therapiemaßnahmen umfänglich. Menschen, die noch in ihrer Ich Struktur gestützt werden müssen, sind damit erfahrungsgemäß überfordert, weswegen der Weg der Integralen Evolution für diese Patienten zunächst einmal nicht geeignet ist (dazu mehr hier).

Bitte machen Sie sich also auch mit dem Ablauf der Therapie und den Modulen vertraut um zu überprüfen, ob die Therapie nach der Integralen Evolution zu diesem Zeitpunkt für Sie das richtige ist.

Hier geht es zum praktischen Ablauf der Therapie.

Bitte beachten Sie, dass die hier vorgestellte Methode an manchen Stellen ausdrücklich von der anerkannten schulmedizinischen Meinung abweicht. Sie erhebt keinen Anspruch wissenschaftlicher Richtigkeit und entspringt meinen persönlichen Forschungen, Beobachtungen und Überzeugungen. Mehr zu meiner Auffasung von Wissenschaftlichkeit finden Sie hier

Bildquelle: Fanny Chambers Gooch Iglehart, Wikipedia