Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem sind für die Selbstregulation neben mitochondrialer Energie und epigenetischen Einflüssen für die Integrale Evolution entscheidend.

Man kann das Nervensystem in einen organischen und in einen psychischen Teil unterteilen. Der organische Teil entspricht dabei den elektrischen Leitungen eines Hauses. Was dann durch die Leitungen durchfließt, ist die Psyche. Damit die Psyche sich als Regelsystem gut entwickeln kann, muss zunächst einmal eine gute organische Grundlage geschaffen worden sein. 

Nervensystem-organisch

Organisch lässt sich das Nervensystem folgendermaßen darstellen:
1Tabelle teilweise auf Lehren von Porges basierend, in: Levine, Sprache ohne Worte, 2012, S. 136 (Kindle Edition) 

Es wird hier noch einmal die bereits erwähnte Lehre von den drei Gehirnen aufgegriffen. Hat Mensch die ganze Palette seiner Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung, wird vorwiegend durch soziale Kommunikation interagiert und nur im Notfall durch Kampf, Flucht oder Starre (tot stellen). Die Verwendung des myelinisierten Vagussystems blockiert dabei normalerweise überschießende und impulsive Reaktionen wie Kampf, Flucht oder Erstarrung. 

Das Nervensystem ist auch für die grundlegende Fähigkeiten des Menschen zuständig sich selber und die Umwelt überhaupt wahrzunehmen. Ohne ein gut funktionierendes Nervensystem hat man keine Möglichkeit der wirklichen physischen und emotionalen Kontrolle über die eigenen Körperfunktionen. So kann auch Selbstregulation nicht erreicht werden.

Die Entwicklung der Sinne

Dementsprechend wichtig ist die Entwicklung unserer Sinne, die im Folgenden noch einmal genauer aufgeführt werden:2Systematik und Auswirkungen persistierender frühkindlicher Reflexe gehen zurück auf die Kursunterlagen des Jahreskurses INPP Deutschland

Basalsinne sorgen für:

  • Muskeltonus (Körperhaltung, gezielte Bewegung)
  • Gleichgewicht
  • Körpereigenwahrnehmung (Propriozeption)

Daraus entwickeln sich dann wieder:

  • Grobmotorik
  • Feinmotorik
  • Bilaterale Integration (Integration rechte und linke Gehirnhälfte)
  • Sensorische Integration (Verknüpfung aller Sinne miteinander)

Und schließlich 

  • Fernsinne: (Riechen, Hören, Sehen, Schmecken, Tasten)

Damit unser Nervensystem die Entwicklung vom Säugling zum Erwachsenen bewältigen kann, bedient es sich sogenannter frühkindlicher Reflexe. Reflexe sind zunächst automatisierte Handlungen, die unserem Gehirn in bestimmten Situationen das Denken abnehmen sollen. Doch Reflexe können noch mehr.

Idealerweise sind in der frühen Kindheit frühkindliche Reflexe aktiv, bei erwachsenen Menschen jedoch erwachsene Reflexe. Erwachsene Reflexe haben zum Ziel, dass wir “differenzierte, zielgerichtete, programmierte, durch Übung modulierte und erlernte Bewegungen ohne großen Energieaufwand” durchzuführen können. Die Ausbildung erwachsener Reflexe geht einher mit der Ausbildung des neomammalischen Gehirns. Ausgereifte erwachsene Reflexe sorgen dafür, dass das Gehirn durch die Nervenbahnen den Körper durchdringt, wodurch der ganze Körper einem effizienten Instrument unseres Willens wird. Doch dies ist nur möglich, wenn frühkindliche Reflexe sich auch vollständig zu ausgereiften erwachsenen Reflexen entwickelt haben, was heutzutage eher die Ausnahme als die Regel ist. 

Folgen persistierender frühkindlicher Reflexe

Persistieren frühkindliche Reflexe, kann es zu folgenden Erscheinungen kommen:

  • Verschwendung von Energieressourcen (bis zu 30% höherer Energieaufwand als vorgesehen)
  • Unvermögen seinen Körper und seine Emotionen wahr zu nehmen
  • Unvermögen dem Willen einen körperlichen Ausdruck zu geben
  • Inadäquates non-verbales Signalsystem in Beziehungen
  • Mangelnde Impulskontrolle
  • Mangelndes Vertrauen in den Körper
  • Das Gefühl defizitär zu sein, weil das Individuum merkt, dass es seinen Körper im Grunde nicht unter Kontrolle hat

Damit wirken persistierende frühkindliche Reflexe mittelbar auf unseren Energiehaushalt ein, indem erhebliche Mengen wertvoller Ressourcen nutzlos verschwendet werden. 

Es sollte auch deutlich geworden sein, dass eine gesunde emotionale Entwicklung ohne die Basis ausreichend ausgereifter Reflexe nicht möglich ist.

Nervensystem-psychisch

Ebensowenig möglich ist eine gesunde emotionale Entwicklung ohne einen guten Kontakt zu Bezugspersonen in der Kindheit. Das folgende Zitat erklärt warum:

“Neugeborene Babies sind nicht sehr sozial; sie schlafen die meiste Zeit und wachen auf, wenn sie hungrig sind oder naß. Nachdem sie gefüttert worden sind, können sie zwar eine Weile noch herum schauen, Umstände bereiten oder in die Gegend starren, aber sie werden sehr bald wieder schlafen, indem sie ihren eigenen internen Rhythmen folgen. Früh im Leben sind sie mehr oder minder den wechselnden Gezeiten ihres sympathischen und parasympathischen Nervensystems ausgeliefert, während ihr Reptilien Gehirn meistens die Show schmeißt. Aber Tag für Tag, indem wir gurren, sie bemuttern und anlächeln, stimulieren wir Synchronizität im sich entwickelnden myelinisierten Teil des vagalen Nervensystems. Diese Interaktionen helfen dem Baby dabei ihre emotionale Erregung mit der Umgebung zu synchronisieren. Der myelinisierten Teil des vagalen Nervensystems kontrolliert saugen, schlucken, Gesichtsausdruck und die Töne, die von dem Kehlkopf produziert werden. Wenn diese Funktionen in einem Kleinkind stimuliert werden, werden sie von einem Gefühl von Vergnügen und Sicherheit begleitet, welche dabei helfen die Grundlage für alle soziale Interaktion in der Zukunft zu bilden.”3Kolk, Bessel van der. The Body Keeps the Score: Mind, Brain and Body in the Transformation of Trauma (Kindle-Positionen1445-1450) In Bezug auf die Selbstregulation ist die Synchronisierung mit Bezugspersonen und Umwelt vor allem wichtig, damit das Kind später auch einen Bezug zu sich selber aufbauen kann. Im Idealfall wächst der Bezug zu sich selbst proportional zur Ablösung von der Abhängigkeit der Eltern. Der emotionale Bezug zu den engen Bezugspersonen wird Bindung genannt.

Bindung

Es gibt einen biologischen und einen psychologischen Bindungsaspekt: Der biologische beschreibt den körperlichen Kontakt zu den Eltern. Das Kind fühlt sich den Eltern durch Körperkontakt, ihren Geruch und ihrer Stimmen nah.4Sullivan et al., Infant bonding and attachment to the caregiver: insights from basic and clinical science, 2011 Und psychologische Bindung findet statt, wenn die Bezugspersonen eine räumliche und emotionale Nähe zum Kind schaffen sowie ihm gegenüber zugänglich und aufmerksam sind.
Die Bindung ist dann optimal, wenn das Kind sich geliebt und sicher fühlt und sein Selbstvertrauen wächst. Es wird dann seine Umgebung erforschen, mit anderen spielen und sich sozial verhalten.5Fraley, A Brief Overview of Adult Attachment Theory and Research, 2010 Findet Bindung unzureichend statt, reagiert das Kind ängstlich, es fühlt sich ungeliebt und im Extremfall bedroht. Das Gefühl der Lebensbedrohung resultiert aus der tatsächlichen Abhängigkeit von den Eltern, die das Kind füttern und beschützen müssen, damit es nicht stirbt. Doch der Kontakt im Sinne einer körperlichen und bewussten Interaktion des Kindes mit engen Bezugspersonen ist nur eine Säule sicherer Bindung.

Symbiose

Die Synchronisierung des Kindes mit den engen Bezugspersonen findet auch durch emotionale Symbiose statt. Ich stimme mit dem Psychotherapeuten Franz Rupert überein, der davon ausgeht, dass der symbiotische Prozess bereits im Mutterleib beginnt: “Nicht nur das, was die Mutter isst , ob sie Alkohol trinkt oder ob sie raucht , alle ihre emotionalen Stimmungen schlagen sich auch als Erregungsmuster im kindlichen Organismus nieder und prägen seine psychische Grundstruktur.”6Ruppert, Symbiose und Autonomie, 2017, S.39 Heute bestätigt sich jedoch immer mehr, dass die ersten Lebensjahre und auch die Zeit im Mutterleib wichtiger sein könnten als alles, was danach kommt. Die besondere Beeinflussbarkeit des Gehirns in dieser Zeit lässt sich mit der Frequenz erklären, auf der es bis zu einem Alter von zwei Jahren funktioniert und die Erwachsene normalerweise nur in tiefster Hypnose erreichen. 7Lipton, Intelligente Zellen, 2006, S. 162 Alles, was ein Kind bis dahin erfährt, verankert sich tief in seinem Unterbewusstsein. Sogar die psychische Verfassung der Eltern zum Zeitpunkt der Empfängnis hat Einfluss auf Entwicklung und Selbstverständnis des Kindes.8Lipton, Intelligente Zellen, 2006, S. 172 In der Regel versuchen Eltern, ihren Nachwuchs positiv zu prägen und ihn unbeschwert großzuziehen, doch ihre Kümmernisse, Ängste und Überforderung wirken trotzdem auf das Kind. Dies führt leider bei den meisten Menschen zumindest zu einer gewissen Form der frühkindlichen Symbiosestörung.

Symbiosetrauma

Das Problem liegt darin, dass Kinder von ihren Eltern gehalten, gewärmt, genährt, gesehen, geliebt, getröstet und vielfältig unterstützt werden wollen. Dies geschieht aber nur, wenn Kinder das Gefühl haben, dass die Mutter auch wirklich verfügbar ist, was sie nicht sein kann, wenn sie mit ihren eigenen Kümmernissen und vor allem Traumata beschäftigt ist. Solch unsicher gebundene Kinder können sich schlecht auf die Umwelt beziehen, weil ihre Aufmerksamkeit ständig bei der Mutter verweilt. Das Kind muss sich im Prinzip ständig rück versichern, ob die Mutter noch da ist.9Ruppert, Symbiose und Autonomie, 2017, S.73-74 Fatal ist ein solches Symbiosetrauma für die Persönlichkeitsentwicklung, da durch ein Symbiosetrauma die Ablösung von den Eltern nicht gelingt. Nicht befriedigte Symbiosebedürfnisse führen zu einem Andauern des negativen symbiotischen Verhältnisses. Das heißt, dass es dem Menschen einerseits nicht möglich ist die Glaubenssätze und Wertvorstellungen der Eltern abzuschütteln. Es heißt aber auch, dass die Stimmungslage der Eltern und des Elternhauses weiter als die eigene empfunden wird. Symbiosetraumata halten Individuen davon ab psychisch autonom zu werden, was natürlich ein wichtiger Aspekt von Selbstregulation ist.

Echte Autonomie

Wie schon an anderer Stelle beschrieben, geht man allgemein davon aus, dass Menschen nicht nur älter werden, sondern idealerweise auch erwachsen. Das Alter, wo das Erwachsensein erreicht sein soll, liegt traditionell zwischen 18 und 21 Lebensjahren. Damit wird stillschweigend davon ausgegangen, dass damit auch die Findung emotionaler und mentaler Autonomie vollendet ist. Dies ist aber im Grunde nur sehr selten der Fall. “Wahre Autonomie heißt, sich niemandem unterordnen zu müssen und in der Lage zu sein, seinen eigenen inneren Maßstäben zu folgen.”10Ruppert, Symbiose und Autonomie, 2017, S.52 Erst wenn diese Fähigkeit im System Mensch angelegt wird, kann Individuation beginnen, die” einerseits ein Prozeß der Ablösung und Selbstwerdung ist, andererseits ein Weg zur eigenen Mitte und Tiefe“. 11Kast, Auf dem Weg zu sich selbst: Werden, wer ich wirklich sein kann , 2015, Kindle Position 80

Hiermit wird deutlich, wie eng organische Funktion, emotionale und mentale Reife miteinander in Verbindung stehen. Persönlichkeitsentwicklung setzt emotionale und mentale Reife voraus, die wiederum auch auf einer einwandfreien organischen Funktion des Nervensystems basiert.

Hormonsystem

Das Hormonsystem ist in der Ordnung der Regelsysteme der Exekutive in einer politischen Ordnung gleich zu stellen. Als Botenstoffe sorgen die Hormone unabhängig ihrer einzelnen Aufgaben im übergeordneten Sinne dafür, dass der Körper im Bedrohungsfall oder auch bei Energieknappheit Ressourcen effektiv mobilisiert und einsetzt.

Um seinem Zweck nachzukommen hat die Natur auch innerhalb des Hormonsystems Hierarchien eingerichtet. Die wichtigste ist dabei das Triumvirat aus Schilddrüse, Nebennieren und Geschlechtsdrüsen. Die Geschlechtsdrüsen wiederum ordnen sich Schilddrüse und Nebennieren unter, schließlich ist Fortpflanzung das erste was bei Energieknappheit inopportun ist. Sollte der Körper schon für sich nicht ausreichend mit Ressourcen für das Leben ausgestattet sein, verdoppelt sich der Notstand in der Schwangerschaft und, sollte es sich um einen kollektiven Energienotstand der Spezies handeln, auch die Belastung der Gemeinschaft als Ganzes. Neben den Geschlechtshormonen ordnen sich auch alle anderen Hormone der jeweils herrschenden Dominanz von Schilddrüse oder Nebennieren unter.

Stress

Für diese Dominanz der Nebennieren gibt es einen kurzen und prägnanten Begriff: Stress! Oft gebraucht, doch selten wird dieser Begriff im richtigen Kontext betrachtet. Stress ist ein objektiver Gradmesser für das Verhältnis zwischen Beanspruchung durch die Umwelt (und den eigenen Körper) und dem vorhandenen Energiepotential. Stress wird durch Stresshormone „erzeugt“, da diese in Form von Kortisol und Adrenalin den Körper auf die Energiekonservierung vorbereiten, wodurch es zu Verschiebungen im gesamten Stoffwechsel kommt. 

Allgemeines Adaptationssyndrom

„Allgemeines Adaptationssyndrom“ hat Hans Selye dieses Phänomen 1953 als Urvater der Stresstheorie benannt (Einführung in die Lehre vom Adaptationssyndrom, 1953). Dieses unterteilt sich in drei Stufen, dem Alarmstadium (1), dem Resistenzstadium (2) und dem Erschöpfungsstadium (3). In Stadium 1 erhöht sich die Ausschüttung von Adrenalin und Kortisol, welche in Stadium 2 wieder abnehmen, wobei sich im Stadium 3 Kortisol erschöpft, da eine dauerhafte Erhöhung von Kortisol zu Gewebeuntergang und Glukoseintoleranz führen.12Braun, Pathophysiology, 2017, Kindle-Position 12270 Spätestens ab Stadium 2 regulieren sich auch Schilddrüsen- und Geschlechtshormone herunter. Bei den Geschlechtshormonen geschieht dies aus den schon benannten Gründen, bei der Schilddrüse lässt sich die Unterfunktion aber auch leicht ableiten. Schilddrüsenhormone erhöhen den Grundumsatz, indem die Herstellung von Hitze und Energie aus Glukose angefeuert wird, was ebenfalls in Zeiten knapper Ressourcen wenig sinnvoll ist. 

Im Übrigen tritt das Adaptationssyndrom auch auf, wenn psychische Ressourcen knapp sind. Denn der Körper assoziiert Bedrohungen von außen evolutionsbedingt immer auch mit der Notwendigkeit entweder zu fliehen, zu kämpfen oder sich tot zu stellen, wodurch Energie zunächst verstärkt mobilisiert, dann konserviert wird. Gefühle von Angst, Unsicherheit und Panik sind eng an die Ausschüttung von Kortison und Adrenalin gekoppelt.

Symbiosetrauma und Stress

Dementsprechend haben gerade auch negative Gefühle, die einem Symbiosetrauma entstammen, solch verheerende Auswirkungen auf das Hormonsystem. Durch die im Unterbewusstsein wirkenden Gefühle und Glaubenssätze tritt im Grunde das Gegenteil von Selbstregulation ein. Durch Gefühle mangelnder Sicherheit, Angst und Panik werden die Nebennieren vom Nervensystem getriggert, was wieder zu riskanten Verhaltensweisen, schlechten Beziehungen und Entscheidungen sowie Selbstaufopferung führen kann. Die Nebennieren erschöpfen sich nach einer Phase der Überfunktion. Dies ist der Teufelskreis in dem die meisten Menschen mit hormonellen Störungen sich letztendlich befinden.

Hinzu kommt, dass die Zellen sich im Stress gegenüber Nährstoffen verschließen.13Lipton, Intelligente Zellen, 2006, S. 145 Insofern sorgen psychische Probleme als Blockaden des Energiesystems dafür, dass der Organismus unter Umständen vor vollen Trögen verhungern muss.

Eine sichere Bindung hingegen sorgt beim Kind für die Ausschüttung der Bindungshormone Prolaktin und Oxytocin. Sie verstärken sein Gefühl, aufgehoben, geliebt und behütet zu sein. Es dürfte nicht überraschen, dass z. B. das Stresshormon Kortisol ein Gegenspieler von Oxytocin ist.

Persistierende frühkindliche Reflexe und Stress

Besonders tückisch ist auch die Verbindung frühkindlicher Reflexe zu unseren Nebennieren. Die zwei rudimentärsten frühkindlichen Reflexe (Furcht-Lähmungs-Reaktion und Moro-Reflex) sorgen einerseits von Seiten des Nervensystems für Lähmungen oder eine Überaktivierung. Doch gleichzeitig sind beide Reaktionen auch mit den Nebennieren direkt verknüpft,14Goddard Blythe, Greifen und Be-Greifen, 2013 sodass verstärkt Adrenalin und Kortisol bei deren Aktivierung ausgeschüttet werden. Somit wird der Körper dann bereits unabhängig von Symbiosetraumata oder anderen äußeren Stressoren im Adaptationssyndrom gehalten.

Ein chronisches Verweilen im Adaptationssyndrom (also im Stress) wiederum trägt nicht gerade zur notwendigen Sicherheit bei, die ein Mensch braucht um in die Autonomie zu kommen.

Parallele Entwicklung von Nerven- und Hormonsystem

Auch die organische Entwicklung des Hormonsystems ist aus Sicht des verstorbenen homöopathisch arbeitenden Arztes Gérard Guéniot15in: Tondelier, From Natural Medicine to a Medicine of the Individual, 2010, S. 48 f eng mit der Entwicklung des Nervensystems verknüpft. Nach Guéniot erreichen hormonelle Drüsen in bestimmten Lebensphasen ihren Entwicklungshöhepunkt und stimulieren in einer bestimmten Reihenfolge gewissen Hirnareale:

  1. Die Nebennieren (3 Wochen bis 12-18 Monate) korrespondieren mit der Entwicklung der linken Hälfte des linkischen Systems
  2. Die erste Phase der Entwicklung der Schilddrüse (18 Monate bis 4. Lebensjahr) korrespondiert mit der rechten Hälfte des linkischen Systems
  3. Die zweite Hälfte der Phase der Schilddrüse (4. bis 7. Lebensjahr) dient der Entwicklung der rechten Seite des Zerebralen Kortex
  4. Die Reifung der Hypophyse (7. bis 12. Lebensjahr) führt schlussendlich zur Reifung der linken Seite des Zerebralen Kortex
  5. Die Reifung der genitalen Drüsen (12. bis 21. Lebensjahr) dient der Koordination und Harmonisierung aller Gehirnareale

Mehr Informationen zum Hormonsystem finden Sie auf meiner Seite www.natuerliche-hormonregulation.de oder in meinem Buch Wege aus der Hormonfalle.

Immunsystem

Das Immunsystem hat, ebenso wie das Hormonsystem, meiner Ansicht nach im Körper eine Exekutivfunktion, wenn auch eher die der Polizei, während das Hormonsystem eher dem Ordnungsamt entspricht. Es sorgt für die Abwehr von Gefahren, die im Körper Unheil anrichten wollen. Dies können eindringende Keime sein, aber auch entartete Zellen. Es besteht aus einer unspezifischen und einer spezifischen Immunabwehr. Erstere setzt sich aus physikalischen und chemischen Barrieren zusammen (Haut, Schleim, Fieber etc.), letztere besteht aus der zellulären Abwehr durch die weißen Blutkörperchen. Die unspezifische Immunabwehr steht mit der Geburt, während die spezifische Immunabwehr erst erworben werden muss. Nach Guéniot entspricht diese Entwicklung ebenfalls dem Entwicklungshöhepunkt bestimmter Hormondrüsen:

  1. Die Nebennieren (3 Wochen bis 12-18 Monate) korrespondieren mit der der Phase, in welcher das Kind noch ein Stück weit von den Antikörpern der Mutter beschützt wird
  2. Die Phase der Entwicklung der Schilddrüse (18 Monate bis 7. Lebensjahr) korrespondiert mit der Entwicklung der spezifischen Abwehr durch die Bewältigung von Kinderkrankheiten
  3. Erst ab der Reifung der Hypophyse (7. bis 12. Lebensjahr) ist dann das spezifische Immunsystem voll funktional

Hierbei korreliert die Fähigkeit des Körpers pathogene Keime zu erkennen auch mit der Fähigkeit des Individuums zwischen sich und der Umwelt, dem “selbst” und dem “nicht selbst” zu unterscheiden.

Wie wichtig diese Unterscheidung sowohl für die Gesundheit als auch die Integrale Entwicklung ist, zeigt sich im nächsten Abschnitt, wo noch einmal auf den entscheidenden Unterschied zwischen Leben und Überleben eingegangen werden soll.

Bitte beachten Sie, dass die hier vorgestellte Methode an manchen Stellen ausdrücklich von der anerkannten schulmedizinischen Meinung abweicht. Sie erhebt keinen Anspruch wissenschaftlicher Richtigkeit und entspringt meinen persönlichen Forschungen, Beobachtungen und Überzeugungen. Mehr zu meiner Auffasung von Wissenschaftlichkeit finden Sie hier

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