Evolution führt nicht automatisch zur Entfaltung von Potential

Persönlichkeitsentwicklung kann erst anfangen, wenn Evolution integral ist.

Man kann theoretisch jedes Fortschreiten der Zeit, die mit einer biologischen Veränderung einher geht, als Evolution bezeichnen.

Der Mensch entsteht aus ein paar Zellen, wird zum Baby, und irgendwann auch groß. Das war es dann im Grunde schon, wenn auf dem ersten Blick “alles dran” und “alles drin” ist. Gemeint ist hiermit im Prinzip eine ziemlich rudimentäre biologische Entwicklung, die bei den Meisten Menschen irgendwie statt findet. 

Doch ist das wirklich alles? Die meisten Menschen bringen den Begriff Evolution mit einer gewissen Verwandlung in Verbindung. Ein Schmetterling ist schließlich etwas ganz anderes als eine Raupe. 

Metamorphose

Die Verwandlung der Raupe zum Schmetterling ist eine gute Metapher dafür, dass von Evolution auch viel mehr als die Summe ihrer Einzelteile erwartet werden kann.

Doch viele Menschen schaffen es nicht zum Schmetterling zu werden. Sie werden einfach zu größeren Raupen.  

Alchemie der Verwandlung

Das Problem – oder auch das Geheimnis – liegt in der Alchemie der Verwandlung. Alchemische Verwandlung heißt, dass aus einem Stoff etwas völlig neues entsteht. Es entsteht eben mehr als die Summe von Einzelteilen. 

Zwei Dinge sind dabei wichtig: 

  1. Die Einzelteile
  2. Der Prozess

Im Falle der menschlichen Entwicklung sind die menschlichen Regelsysteme wie Nervensystem, Psyche, hormonelles System etc. die Einzelteile. Der Prozess entspricht dem Heranwachsen. 

Sind Einzelteile unvollständig oder fehlerhaft, wird auch der Prozess nicht so laufen wie vielleicht ursprünglich intendiert. Sind menschliche Regelsysteme nicht ganz funktionsfähig, wächst der Mensch nicht in sein Potential, sondern nur heran. 

Integral statt dissoziativ

Integral ist ein anderes Wort für ganzheitlich. Aber auch für ganz und unversehrt. Integral heißt auch, dass alle Einzelteile “integriert”, also miteinander vernetzt wurden.

Dementsprechend ist eine Evolution, die integral verläuft, mehr als eine, die das nicht tut. Letztere kann man als desintegrativ bezeichnen. Hier laufen Prozesse nebeneinander her und die einzelnen Aspekte sind dissoziiert (abgespalten).

Die Integrale Evolution ist dementsprechend ein Prozess, der eine physiologische und optimale Funktionsfähigkeit unserer Einzelteile bezweckt. Diese Funktionsfähigkeit brauchen alle unsere Regelsysteme, damit sie sich dann miteinander vernetzen und uns anschließend als Menschen in die Wandlung bringen können. 

Erst wenn das Zusammenspiel aller unserer biologischen, emotionalen, mentalen und auch spirituellen Anteile funktioniert, kann Persönlichkeitsentwicklung statt finden. 

Evolution als Prozess

Soll es zur alchemischen Verwandlung kommen, ist auch der Prozess nicht willkürlich.

Das weiß jeder, der schon einmal einen Kuchen ohne Rezept gebacken hat und am Ende ein ungenießbares Endprodukt erhalten hat. Oder einen Ikea Schrank ohne Anleitung aufgebaut hat und am Ende die Seite mit den Löchern außen hatte. 

Was wir uns merken: Reihenfolge und Art der “Zubereitung” ist neben den Zutaten wichtig. Nichts anderes besagt im Grunde Ontogenese, die Lehre der Evolution des Individuums. Evolution geschieht in Schritten, die in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen sollten. Bestimmt werden sie vom menschlichen Bauplan, gemeinhin mit unseren Genen gleichgesetzt. 

Gene bestimmen dabei was geschieht (Mann oder Maus?), während epigenetische Prozesse bestimmen wie es passiert (gesunde oder kranke Männer und Mäuse). Jedenfalls ist das die Auffassung der modernen Epigenetik, die heute davon ausgeht, dass viel, was ursprünglich den Genen zugeschrieben wurde, eigentlich epigenetischen Prozessen zukommt. 1Lipton, Intelligente Zellen, S. 51

Demnach geben die Gene die Reihenfolge vor, die Epigenetik die Art der “Zubereitung”. Dies gilt sowohl für die einzelnen Regelsysteme für sich, als auch für deren Zusammenspiel im menschlichen Organismus.

Evolution als Baukasten mit System

Ein besonderes Merkmal der Evolution ist auch, dass nachfolgende Evolutionschritte auf vorherigen Evolutionsschritten aufbauen, vorherige Evolutionsschritte aber gleichzeitig in den nachfolgenden aufgehen. 

Unsere “drei Gehirne” (Triune Gehirntheorie) sind dafür ein sehr gutes Beispiel. Hier hat die Evolution unsere Gehirnentwicklung als Baukasten gestaltet, wobei der erste Baustein, den wir entwickeln, für unser unmittelbares Überleben (reptilisch) verantwortlich ist. Die nächste Entwicklung unseres Gehirns führt zu nährendem Verhalten und Reproduktion (paläomammalisch). Das Dritte Gehirn schließlich (neomammalisch) führt zu strategischem Denken, Planung und höheren Kommunikationsformen. Das neomamallische Gehirn ist der Standardmodus für ein entwickeltes Individuum. Kommt es allerdings zu Situationen, in denen ein guter Plan und schöne Worte nichts mehr nützen, greifen wir notfalls auf unser reptilisches Gehirn zurück, welches instinkthaft gesteuert ist: es kommt zu Kampf oder Flucht, in letzter Instanz auch zum tot stellen. 2Triune Brain Theory und ihr aktueller Vertreter Steven Porges mit seiner Polyvagalen Theorie, https://en.wikipedia.org/wiki/Triune_brain,

Ein anderes gutes Beispiel ist die Entwicklung des aufrechten Gangs. Wir würden niemals laufen können, wenn wir davor nicht erst gesessen und im Idealfall gekrabbelt wären. Später werden wir dann kaum noch krabbeln, doch können tun wir es noch.  

Regelsysteme sind es letztendlich, die dieses in sich verschachtelte System erlauben. Nachdem sich ein Regelsystem für sich entwickelt hat, vernetzt es sich und bietet so einem noch nicht entwickelten Regelsystem die Grundlage zum Wachsen, wobei die Reihenfolge von unseren Genen vorgegeben wird.  

Anpassung in allen Lebenslagen

Integrale Evolution stellt uns also flexibel auf alle Lebenslagen ein.

Um bei unserem Beispiel des “triunen Gehirns” von oben zu bleiben, erlaubt Integrale Evolution eine angemessene Reaktion auf unsere Umwelt. Wir verstehen wann Reden angesagt ist oder eben Flucht und notfalls auch Kampf. Wir müssen weder zum Haudegen werden, noch zum masochistischen Pazifisten. 

Diese Flexibilität ist im Prinzip schon der erste Schritt zum Ausschöpfen unseres Potentials, indem wir auf alles zurückgreifen können, was in uns angelegt ist. Echter alchemistischer Wandel kommt dann zustande, wenn wir diese Anlagen auf eine uns eigene Weise in die Welt bringen.  

Doch wie viel Entwicklung muss sein, damit Potential sich entfalten kann?

Der Fachausdruck dafür ist Reife. Und auch Selbstregulierung gehört dazu. 

Mehr dazu gibt es hier.

Bitte beachten Sie, dass die hier vorgestellte Methode an manchen Stellen ausdrücklich von der anerkannten schulmedizinischen Meinung abweicht. Sie erhebt keinen Anspruch wissenschaftlicher Richtigkeit und entspringt meinen persönlichen Forschungen, Beobachtungen und Überzeugungen. Mehr zu meiner Auffasung von Wissenschaftlichkeit finden Sie hier

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